Tages-Kommentare

Monat: März 2025

  • Nachsicht

    Nachsicht

    Wenn man niemanden hat, der die Regeln für alle durchsetzt, gerät man in die Situation, dass der Regelbrecher die Regeln bestimmt.

    Herfried Münkler in der Rubrik „Was ich gern früher gewusst hätte…“ der Zeit

    Wieviel Nachsicht braucht es in einer Gesellschaft? Regeln als Ordnungshilfe sind darauf angewiesen, das sie eingefordert werden. Im zwischenmenschlichen Miteinander und notfalls auch durch Kontrollorgane wie die Polizei, Ordnungsdienste oder die Schaffnerin in der Bahn. Dazu braucht es die Einsicht in die Notwendigkeit von Regeln. Regeln haben aber ein generelles Problem, sie sind selten flexibel. Die Ampel ist rot, aber es kommt ja kein Auto, also was tun? Der blinde Gehorsam führt in die Diktatur, nur mit der Nachsicht gelingt es, die Gesellschaft mit der notwendigen Flexibilität und Freiheit auszustatten.

    So weit, so richtig. Das obige Zitat zeigt jedoch die Grenze eines solchen Denkens auf. Wenn die Regel vor lauter Toleranz so ausgehöhlt wird, dass sie nicht mehr gilt, werden die Regeln beliebig. Dann wird es zur Regel, jede Regel erstmal auszuhandeln, nachdem sie ignoriert wurde. Das kann im offenen Umgang miteinander vielleicht noch funktionieren. Aber es kostet Zeit und es verschiebt Grenzen immer weiter, bis zum “Anything Goes“.

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  • Politische Positionen als Marketing-Instrument

    Politische Positionen als Marketing-Instrument

    Referenz zum Artikel im Politico

    Die neue Währung im Marketing ist Popularität, oder vielmehr Aufmerksamkeit. Nein, das stimmt so noch nicht für Deutschland, auch wenn hierzulande die Bekanntheit von DSDS und Dschungelcamp genutzt wird, um Produkte oder sich selbst ökonomisch zu platzieren und Influencer mit der Anzahl an Followern an Einfluss gewinnen.

    Während es in Deutschland noch merkwürdig wäre, Christian Lindner in einem Werbespot für die Insel Sylt zu sehen (ausgeschlossen ist das aber keineswegs), sind die USA da schon viel weiter. Dort werden Produkte für MAGA Anhänger direkt gestaltet, nicht erst seit Trump. Das sind nicht nur Kappen und teure Uhren, für die der Präsident seinen wertvollen Namen bereitstellt, sondern sogar Finanz-Anlagen mit der Garantie, nicht in „woke“ Unternehmungen zu investieren. Politisch aktive Personen sind gleichzeitig Unternehmerinnen in eigener Sache.

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  • Helfer-Glück

    Helfer-Glück

    Ich habe einen Artikel im Netz bei theatlantic.com zum Thema Glück gelesen, der mir gut in die Zeit zu passen scheint. Es geht um Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Menschen, die anderen Gefallen tun, selbst glücklicher sind.

    Also ran, haltet Türen auf, lasst anderen an der Supermarktkasse den Vortritt, und seid aufmerksam für jede Situation in der ihr helfen könnt. Kein Zufall, das alle Religionen Hilfsbereitschaft zu einer Tugend erklären. Nicht nur, weil damit das soziale Leben positiv beeinflusst wird, sondern auch, weil es das Lebensgefühl der Helfenden verändert.

  • Wahlprogramm Vergleich Grüne und CDU

    Wahlprogramm Vergleich Grüne und CDU

    Ideen zum Steuerrecht (Grüne Details)

    • Das Dienstwagenprivileg reformieren
    • Ausnahmen bei der Erbschaftssteuer bei außergewöhnlich hohem Erbe angehen
    • Unterstützung einer globalen Milliardärssteuer
    • Anpassung bei der Immobilienbesteuerung und den Kapitaleinkünften
    • Arbeitnehmerpauschbeträgeder Einkommenssteuer auf 1500€ erhöhen 
    • Steuergutschriften für niedrigen Einkommen, um Arbeitsanreize zu schaffen 
    • Solidaritätszuschlag in Einkommensteuertarif integrieren
    • Kindergeld und Kinderfreibetrag koppeln

    Dienstwagenprivileg

    Die Besteuerung von Fahrzeugen, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt, sind sowohl für die Firma als auch die Nutzende von Vorteil. Dies führt dazu, dass in Deutschland Dienstwagen sehr attraktiv sind. Dies führt dazu, dass insbesondere teure Autos überproportional häufig gewerblich zugelassen sind1.

    Das verschiebt aus der Sicht der Grünen die Mobilitätsförderung in Richtung von teuren und großen Fahrzeugen. Wenn man sich die Statistik anschaut, ist der Einwand nicht von der Hand zu weisen. Fast zwei Drittel aller Neuzulassungen ist gewerblich und den größten Anteil (>84%) haben gewerblich zugelassene Oberklasse-Fahrzeuge.

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  • The Well

    The Well

    Neulich habe ich einen interessanten Podcast zur Kultur im Silicon Valley gehört, und dabei wurde über eine interessanten Vorläufer der sozialen Netzwerke berichtet, The Well.

    Ich finde das insbesondere deswegen interessant, weil in diesem Konzept viele Dinge umgesetzt worden sind, die ich bei der Gestaltung von sozialen Netzwerken wichtig finde. Siehe dazu auch meinen Blog zum Thema Meinungsfreiheit.

    Abo-Gebühr

    Das Netzwerk trägt sich aus Gebühren und Spenden und kommt ohne Werbung aus. Das Geschäftsmodell ist nicht auf Profit ausgelegt.

    Urheber-Recht

    Die Rechte an Wort und Bild bleiben bei den Teilnehmern (You Own Your Own Words – YOYOW), ebenso die Verantwortung für Rechtmäßigkeit und Wirkung.

    Klarnamen

    Man darf sich nicht anonym anmelden, sondern muss seinen eigenen Namen führen.

    Moderation

    Die Gruppen werden streng moderiert und es wird auf einen respektvollen Umgang geachtet.

    Ich überlege ernsthaft, das einfach mal auszuprobieren. Ein interessanter Ansatz als Gegenprogramm. Er passt auch gut zu dem, wie ich meinen Blog hier verstehe.

  • Die Öffentlichkeit und ihre Probleme

    Die Öffentlichkeit und ihre Probleme

    Ich habe vor einiger Zeit ein gutes Buch zum Thema Öffentlichkeit und Medien gelesen. Weil ich das so interessant fand, habe ich eine Präsentation dazu erarbeitet.

    Zum Buch beim Verlag

    Titelbild vom Vortrag Öffentlichkeit und ihre Probleme

    Zum Anschauen des Vortrages einfach auf das Bild klicken, viel Spaß!

  • Warum sind Kompromisse eigentlich faul?

    Warum sind Kompromisse eigentlich faul?

    Kompromisse haben einen schlechten Ruf, man möchte eher ohne sie auskommen und alle vom eigenen Vorschlag überzeugen. Wer Kompromisse eingeht, gibt seinen Standpunkt auf und beugt sich den Argumenten des Gegenüber. Die Demokratie und die im Abstimmungsprozess geführten Debatten werden als Entscheidungsmaschine verstanden, in der die stärkere Fraktion/Koalition letztendlich bestimmt. Spätestens seit den Zeiten der Ampel kann Demokratie nicht mehr so gesehen werden, denn hier waren drei sehr unterschiedliche Parteien gezwungen, gemeinsame Vorschläge abzugeben. Die politische Realität nach den Wahlen sieht so aus, dass wir für sehr wichtige – manche meinen überlebenswichtige – Entscheidungen auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit angewiesen sein werden. Da braucht es Kompromisse.

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  • Panik…? Nein, Normalität! Oder doch Panik?

    Panik…? Nein, Normalität! Oder doch Panik?

    In der Zeit gab es letzte Woche einen tollen Artikel über ein psychologisches Phänomen, den sogenannten „normalcy bias“. Es gibt ja eine Menge solcher Modelle, die das manchmal irrationale Verhalten von Menschen zu erklären versuchen. Dieses Modell passt sehr gut in die jetzige Zeit, in der sich alles mit rasender Geschwindigkeit verändert, Grundannahmen über Bord geworfen werden müssen und man sich manchmal fragt, ob das alles noch normal ist.

    Der normalcy bias beschreibt das Verhalten von Menschen in Ausnahmesituationen, die trotz offensichtlicher Bedrohungen versuchen, die Normalität aufrechtzuerhalten. Leider gibt es keine gute deutsche Zusammenfassung und Übersetzung, man kann es mit Normalitätsverzerrung übersetzen.

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