Gestern Nacht in der Notaufnahme in Böblingen. Eine junge Familie kommt an den Schalter, Die etwa 14jährige Tochter erklärt, worum es geht. Ihre Eltern sprechen wohl kein Deutsch. Dann setzen sie sich neben mich und beginnen die notwendigen Anmeldeformulare zu lesen, vielmehr liest die Tochter die Dokumente und erklärt sie ihren Eltern. Ihr Finger saust über die Zeilen des eng beschriebenen Blattes.
Hoffentlich wird das Mädchen für ihren Einsatz gelobt und die Lehrkräfte zeigen Verständnis, dass sie morgen in der Schule müde ist. Das ist eine Leistung, die Kinder mit Migrationshintergrund jeden Tag erbringen, um es ihren Eltern in der neuen Umgebung einfacher zu machen. Sie sind die Brücken der Integration, mit der doppelten Belastung von Schule und Verantwortung. Das verlangt Respekt und ist auch Teil des Stadtbildes.
Wer jetzt fragt, warum die Eltern kein Deutsch können, sollte sich klarmachen, wie gut er neue Fähigkeiten als Erwachsener lernt. Ich lerne über eine App seit 500 Tagen Französisch, ein Arztgespräch könnte ich mitnichten führen.

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